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Warum die Kirche gerade jetzt ihre Möglichkeiten erkennen sollte

Vor Jahren veröffentlichte Richard Bösinger das wichtige Buch mit dem Titel: „Hoffnung, wo es nichts zu hoffen gibt“. In der Tat: In unserer Welt hungern fast alle nach Hoffnung. Aber Hoffnung als Lebenselement ist nicht gerade häufig. Menschen ohne Glauben frönen einem aufgeklärten „Realismus“, der schnell ins Zynische übergeht. Gläubige Menschen sehen überall den Niedergang: in der eigenen Kirche, in der eigenen Gemeinde, in der Gesellschaft, der Schule, der Moral, der Völkerwelt.

Der Atem, der durch die Bibel weht, ist ein anderer. Sie sieht den Niedergang genauso scharf, gesteigert in der Vergänglichkeit. Und doch gibt es bis hinab zum kleinsten Lebewesen die Perspektive der Hoffnung (Römer 8,20). Erst recht werden wir als Menschen in diese Perspektive der Hoffnung gestellt. Das letzte Buch der Bibel ist ein Hoffnungsbuch. Unsere Hoffnung ist eine doppelte:

  1. Die christliche Hoffnung für diese Welt

„Durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein“, sagt das alte Prophetenwort in Jesaja 30,15. Das ist nichts anderes als die Beschreibung von zwei wesentlichen Seiten der Hoffnung. Wer hofft, kann still die Hände falten und sich vom allmächtigen Gott überraschen lassen. Wir sind als Christen im Grunde weder „Aktivisten“ noch „Aktionisten“. Wir sind Anpackende, die stets mit der viel größeren göttlichen Macht rechnen. Und diese Art von Hoffnung ist keine Träumerei, sondern durch Erfahrung und Geduld bestätigt. Als vor Jahren während der Nachrüstungsdebatte die ganze Welt rief, es sei „fünf Minuten vor zwölf“ und der Weltuntergang nahe, blieben die Christen ruhig. Sie wussten, dass sich noch manches in der Weltgeschichte ereignen musste (vgl. 2. Thessaloniker 2,1ff.), bevor man vom Weltuntergang sprechen konnte.

Auf der anderen Seite verleiht die biblische Hoffnung eine Nüchternheit, die gerade in der Gegenwart so dringend nötig ist: Die Nüchternheit, die die ausgezeichneten Möglichkeiten zur Mission erkennt. Wir haben Hunderte von Ethnien und Nationalitäten in Europa unter uns, die ansprechbar sind für das Zeugnis von Jesus. Wir haben unzählige Menschen unter uns, die enttäuscht sind von bisherigen Hoffnungsträgern und zugleich bereit sind, sich der Botschaft vom dreieinigen Gott zu öffnen. Erkennt die Kirche die Chancen, die Gott nach 2. Petrus 3,9 („Der Herr … hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde …“) gerade in unsere Zeit gelegt hat?

  1. Die christliche Hoffnung für die kommende Welt

Es lief ganz anders, als das christliche Europa der Aufklärung es erwartet hatte. „Sie wird gewiss kommen, die Zeit der Vollendung, da der Mensch … das Gute tun wird, weil es das Gute ist“, hatte einer der einflussreichsten Vertreter der Aufklärung, Gotthold Ephraim Lessing, prophezeit (in: „Erziehung des Menschengeschlechts“ §85, 1777).

Gekommen sind aber die Kolonialkriege, die Weltkriege, die Atombombe, die unvorstellbaren Gräuel des 20. Und fast mehr noch des 21. Jahrhunderts. Wie nüchtern und wie wahr ist demgegenüber die 2.000 Jahre alte Prophetie Jesu, wonach unsere Weltgeschichte gekennzeichnet ist durch Weltkriege, den Kampf der ideologischen und politischen Systeme um die Weltherrschaft, durch Mangel und durch kosmische Erschütterungen (Matthäus 24,6-7).

Und doch sind dies alles in Jesu Augen nur Vorboten einer zweiten, ewigen Schöpfung (Matthäus 24,8). Statt in die Untergangsängste und in den zerstörenden Pessimismus einzustimmen, sollen die Seinen seiner Botschaft folgen: „Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann steht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“ (Lukas 21,28). Ohne Zutun von Menschen wird der dreieinige Gott allem Bösen ein Ende machen, alles Leid wenden, ja alle Tränen abwischen. In Vergänglichkeit und Altwerden, in guten und bösen Gerüchten (2. Korinther 6,8), durch Niederlagen und Verzweiflung hindurch wird Gott unsere Person erhalten. Durch den Glauben an Jesus erleben wir den Freispruch im Gericht und die Auferstehung zum ewigen Leben. Niemals wird irgendjemand uns eine bessere und schönere Hoffnung schenken.

Wir sind als Christen Anpackende, die stets mit der viel größeren göttlichen Macht rechnen.

Prof. Dr. Gerhard Maier war Rektor des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen, Prälat in Ulm und von 2001 bis 2005 Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Von 1971 bis 1977 und von 1983 bis 1995 war er Mitglied der Landessynode.

Dieser Text stammt aus dem Magazin „Kirchenwahl 2019 – Was uns bewegt“. Kostenlose Bestell- und Downloadmöglichkeit finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

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