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Der Glaube an Jesus Christus trägt

Wahrscheinlich werde ich diese Momente nie vergessen: diese Augenblicke, in denen ich in ein offenes Grab geschaut habe. Tief unten ein Sarg. Ein Blumengesteck darauf. Darin ein Mensch, der mir sehr, sehr nahestand. Jetzt war alles vorbei. Keine Begegnung mehr, kein Gespräch, keine Umarmung. Alle Beziehung am Ende. – Ich rede nicht von den vielen Beerdigungen, die ich als Pfarrer schon selbst gehalten oder als Bekannter besucht habe. Nein, ich meine die wenigen Begräbnisse von herzlich geliebten Menschen, die mir sehr nahestanden. Hier war ich betroffen, mein Herz, meine Seele und mein Glaube. In diesen Momenten geht es nicht um Kirchenpolitik, nicht um richtig oder falsch, um liberal oder konservativ. Da zählt nur eines: Bin ich gehalten oder nicht?

Was uns trägt

In solchen Momenten hänge ich mich an Worte der Bibel: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Das hat Jesus gesagt (Johannes 11,25). Daran halte ich mich. Und gerade so werde ich von ihm gehalten. Darauf hoffe ich: dass meine Lieben und ich selbst leben und bei unserem Vater im Himmel sein werden. So einfach. So schlicht. So elementar: Ich vertraue auf Jesus Christus.

Im größten Glück und tiefsten Leid

Solche Momente sind die Ur-Erfahrungen des Glaubens. Und ganz sicher nicht nur die schweren Momente. Auch das große Glück gehört dazu. Wenn ich etwa an die Geburt unserer Kinder denke, dann kann ich nur staunen über das überwältigende Wunder des Lebens. Wie großartig und herzzerreißend schön! Die Welt ist voller Wunder. – Im größten Glück und tiefsten Leid ahnen wir etwas von der Nähe und Größe Gottes. Aber das Leben besteht nicht nur aus diesen Ausnahme-Erlebnissen. Dazwischen gibt es viel Alltag. Auch in unseren Gemeinden und in unserer Kirche. Da kommt es darauf an, dass wir den Glauben bewahren und beschreiben, der uns wirklich hält und trägt.

Jesus ist einzigartig

Unser Glaubensbekenntnis fasst das große Wunder in dürre Worte: „Ich glaube an Jesus Christus.“ Jesus ist einzigartig. Nur er hat den Himmel verlassen und ist Mensch geworden. Nur er ist für uns am Kreuz gestorben und nach drei Tagen auferstanden. Nur er vergibt uns unsere Schuld und verspricht uns ewiges Leben an seiner Seite. Das glaube ich als Christ. Und das bekenne ich frei und offen. Das ist der Glaube, der mich trägt, wenn es darauf ankommt. Darum ist es wichtig, dass wir diesen Glauben bezeugen. Das ist das Herzstück der Kirche.

Ein ehrlicher Dialog und ein offenes Bekenntnis

Es gibt viele Religionen und Weltanschauungen. Je mehr Menschen anderen Glaubens ich kennenlerne, desto mehr Respekt und Achtung habe ich vor deren Glauben. Ich habe hohe Wertschätzung für Andersgläubige – aber ich teile ihren Glauben nicht. Umso gewisser bezeuge ich das, was mich trägt. Das sollte einen aufrichtigen interreligiösen Dialog kennzeichnen: Wir suchen Begegnungen und sind bereit zu offenen Gesprächen, aber wir harmonisieren verschiedene Weltanschauungen nicht. Ein ehrlicher Dialog klammert die Frage nach der Wahrheit nicht aus. Er hält vielmehr aus, dass es verschiedene, nicht vereinbare Wahrheitsansprüche gibt. In einer immer stärker plural werdenden Gesellschaft kommt es für uns Christen gerade darauf an, dass wir unseren Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Christus nicht verleugnen, sondern ehrlich und einladend bekennen. Wir bringen unseren Glauben mit in das Gespräch. Dabei reden wir nie von oben herab, sondern wir bezeugen das, was uns in den entscheidenden Momenten unseres Lebens trägt und hält. Ehrlich, schlicht und klar.

Steffen Kern ist Pfarrer und Journalist, Vorsitzender des Ev. Gemeinschaftsverbandes Württemberg e.V., die Apis und Mitglied der EKD-Synode. Er kandidiert für die Landessynode 2019 im Wahlkreis Tübingen. 

Dieser Text stammt aus dem Magazin „Kirchenwahl 2019 – Was uns bewegt“. Kostenlose Bestell- und Downloadmöglichkeit finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

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