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Seine Mission ist unser Auftrag – Dialog muss Konversion ertragen können

Im 1. Petrusbrief lesen wir eine wunderbare Zusage: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum“. Die Gemeinde Gottes wird hier mit hohen Titeln geehrt. Allerdings sind diese Eigenschaften auch mit einer Aufgabe verbunden. Denn der obige Vers geht noch weiter: „dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht“ (1. Petrus 2,9).

Aus den hohen Titeln erwächst ein großer Auftrag: Der Welt genau das bekannt zu machen und von Gottes guten Taten zu reden. Und durch die Migration in der heutigen Zeit findet sich die Welt direkt vor unserer Haustür.

Jesus spricht Klartext

In der Frage, wie wir diesen Auftrag erfüllen sollen, können wir uns an Jesus orientieren. Er sprach immer Klartext und er traute sich auch, Menschen deutlich zu sagen, dass es ohne ihn keinen anderen Weg zum Vater gibt (Johannes 14,6). Aber er setzte Menschen nie unter Druck, sondern ließ ihnen immer die Freiheit, sich für oder gegen ihn zu entscheiden (Markus 10,22f.). Und dennoch jammerte es ihn, wenn er die Verlorenheit sah (Matthäus 9,36), denn er liebt die Menschen. So dürfen auch wir klar und deutlich benennen, was wir glauben und Menschen auf Jesus aufmerksam machen. Wir dürfen und wir sollen nicht verschweigen, dass er der einzige Weg zum Vater ist.

Für das einzustehen, woran man glaubt und es deutlich zu benennen, ist keineswegs intolerant. Tolerare ist lateinisch und bedeutet erdulden und ertragen. Tolerant zu sein bedeutet also, es zu ertragen und zu erdulden, wenn jemand etwas anderes glaubt. Intolerant ist man im wortwörtlichen Sinne also, wenn man nicht-erleidend ist, also gerade dann, wenn ich zum Beispiel mehrere Wahrheiten anerkenne und deshalb nicht mehr darunter leide, dass ich andere auf dem falschen Weg wähne.

Ehrlich und liebevoll

In diesem Spannungsfeld kann sich dann ein ehrlicher und liebevoller Dialog entwickeln – wenn beide Seiten sich selbst und dem anderen gegenüber deutliche Worte finden, man die Gemeinsamkeiten sucht, aber die Unterschiede nicht verleugnet. Ein Dialog, der Unterschiede nicht ertragen kann, bleibt an der Oberfläche, wird aber keiner der beiden Seiten gerecht. Vielmehr geht es darum, die Unterschiede klar zu benennen, um den anderen wirklich zu verstehen. Nur dann können wir gemeinsam Wege finden, miteinander in Frieden zu leben.

Zum Frieden in Deutschland gehört essenziell auch die Religionsfreiheit. Diese beinhaltet nicht nur, dass jeder seine Religion ausleben darf, sondern auch das Recht, seine Religion zu wechseln. Und dieses Recht gilt auch Muslimen, die Christen werden wollen. Somit muss es die Aufgabe von Christen in Deutschland sein, Konvertiten zu unterstützen und nicht, sie als Belastung für den islamisch-christlichen Dialog zu sehen. Ein Dialog, der Konversion nicht ertragen kann, ist ein substanzloser Dialog.

Jesu Auftrag an seine Gemeinde ist klar: von Jesu Wohltaten erzählen (1. Petrus 2,9), Jesu Zeugen in dieser Welt sein (Apostelgeschichte 1,8), sein Reich verkündigen (Lukas 9,2), Menschen zu lehren (Matthäus 28,19) und so Menschen zu retten (Hebräer 9,28).

Die Gemeinde ist der Ort, von dem aus dies geschehen soll. In ihr erfahren wir selbst Stärkung und Kräftigung, um gemeinsam diesen Auftrag zu erfüllen.

Es ist nicht intolerant, für das einzustehen, woran man glaubt.

Yassir Eric ist als Moslem aufgewachsen. Als er Christ wurde, musste er sein Heimatland und seine Familie verlassen. Nach seiner Flucht aus dem Sudan studierte er Theologie und leitet heute das Europäische Institut für Migration, Integration und Islamthemen an der AWM gGmbH in Korntal.

Maïté Haller ist dort Referentin und beschäftigt sich als Theologin seit über zehn Jahren mit dem Islam und dem Umgang mit Muslimen.

Dieser Text stammt aus dem Magazin zur Kirchenwahl „Wir lieben Gemeinde“. PDF-Download und Bestellmöglichkeit siehe unten

#wirliebengemeinde

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