Vom PfarrPlan zum Gemeindekonzept

Zukunftsfähige Strukturen schaffen

Im Jahr 2019 ist es soweit: Unsere Landeskirche fällt in ihren Mitgliederzahlen unter die 2-Millionen-Grenze. Das kann uns nicht egal sein.

Warum kann uns das nicht egal sein? Weil nicht die Bevölkerung weniger wurde, sondern nur die Mitglieder. Wir müssen also annehmen, dass immer weniger Menschen nach dem lebendigen Gott fragen.

Das digitalisierte Zeitalter, der demografische Wandel, die Mitgliederzahlen und der Rückgang an hauptamtlichen Mitarbeitenden fordern uns heraus. Wir müssen unsere Kirche daher aktiv weiterentwickeln.

Gemeinde verändert sich. In den Strukturdebatten spielen die PfarrPläne zu Recht eine große Rolle. Und doch dürfen wir das Reich Gottes nicht von der Anzahl der Pfarrer abhängig machen, so sehr wir Pfarrer brauchen!

Wir müssen vom PfarrPlan zum Gemeindekonzept finden. Was können wir tun?

  1. Der eigene Kirchturm ist nicht das Maß aller Dinge.

Das Maß für eine lebendige Kirche sind nicht ihre Bauwerke. Wir würdigen unsere Kirchen, und sorgen uns doch viel mehr um geistliche Erfahrungsräume, in denen Menschen im Glauben wachsen können. Hauskreise, Gemeinschaften und Kleingruppen sind es, aber auch ein Nachmittagstreffen zum Kaffee, der Internetauftritt, ein Bibelkurs im Nachbarort und ein regelmäßiger Lobpreisgottesdienst im Chorraum der Nachbarkirche. Vielfältiger sollten wir denken. Das schafft Gelassenheit. Die Kirche bleibt vor Ort – ja. Und doch ergibt es Sinn, wenn wir regional denken. Geistliche Persönlichkeiten gibt es meist auch im Nachbarort. Es sind oft falsche Bilder („die sind so liberal – so konservativ“), die uns irritieren. Im Alltag haben wir die Ortsgrenze mit großer Selbstverständlichkeit überwunden. Der Einkauf findet zwei Orte weiter statt, der Fitnessclub unserer Wahl setzt 5 km Fahrt voraus, meine Lieblingspizzeria liegt 20 Minuten entfernt. Warum diese Selbstverständlichkeit nicht auch für die Gemeindearbeit leben?

  1. Wir akzeptieren den Mangel an Hauptamtlichen nicht.

Der Pfarrermangel ist abzusehen. Den gleichen Mangel sehen wir jedoch ebenso bei Diakonen und Religionspädagogen. Sogar Kirchenmusiker und Verwaltungsfachleute werden uns nach heutiger Hochrechnung dramatisch fehlen. Akzeptieren müssen wir das nicht!

Keine Garantie, aber ein wichtiges Instrumentarium ist es, wenn wir Berufsgruppen neu definieren und attraktiv machen. Dazu gehört auch, dass alternative Zugänge in allen Berufsfeldern nicht nur geduldet, sondern wesentlich gefördert werden. Das gilt insbesondere für den Pfarrdienst. Junge Menschen wollen gern im Reich Gottes arbeiten. Sie wollen aber nicht Sklaven kirchenrechtlicher Bestimmungen sein, die das Leben der Kirchenbediensteten von vor 40 Jahren ordneten. Darüber hinaus streben wir die allgemeine Anerkennung des theologischen Masterstudiums als unumgänglich an.

  1. Starke Gemeinschaften bilden. Den ländlichen Raum fördern.

Wie viele Gemeindeglieder betreut eine Pfarrperson? Wir sagen: Auch in Zukunft muss es unterschiedliche Bewertungskriterien geben. Auf den Fildern kann ein Pfarrer schon mal für 2.500 Gemeindeglieder da sein. Die Wege sind kürzer, die Bewohnerdichte hoch. Auf dem Land ist es anders. Viele kleine Ortschaften mit eigenen Kirchen verlangen ein hohes Grundengagement.

Jedes Gemeindeglied kennt das Gesicht und die Stimme seines Pfarrers. So soll es auch bleiben. Darüber hinaus fördern wir Gemeindeformen, die sich regional ausdehnen. Solche Gemeinden dürfen sich durch ihre Altersstruktur oder ihre geistlichen Schwerpunkte durchaus profilieren.

Wir lieben Gemeinde! Bewährtes unterstützen, Neues fördern. Veränderungen nicht um der Form willen, sondern um der Menschen willen.

Dafür stehen wir: Nicht nur Pfarrstellen streichen, sondern Gemeinde neu denken.

Matthias Hanßmann ist Gemeindepfarrer in Enzweihingen. Er gehört seit 2007 der Landessynode an und ist in der 15. Periode der Vorsitzenden des Strukturausschusses.

Dieser Text stammt aus dem Magazin „Kirchenwahl 2019 – Was uns bewegt“. Kostenlose Bestell- und Downloadmöglichkeit finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

#wirliebengemeinde

Bild: skynesher/E+/www.gettyimages.de

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